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Die Bim fährt bald bis nach Traun - aber trotzdem nicht nach Mitternacht

16.08.2015

Von vollen Bims und leeren Geldbörsen

geschrieben von Lukas Linemayr

Wien 365 Euro. Linz 285 Euro. Graz 228 Euro. Leonding 408 Euro. Das zahlt man als Bürger der jeweiligen Stadt für ein Jahresticket des jeweiligen Bus- & Bimbetreibers. Doch woher kommt der Unterschied zwischen Linz und Leonding? Immerhin werden doch beide von der Linz AG versorgt.

Der Unterschied ist eine Förderung der Stadt Linz. Die Stadt Linz gewährt jedem Einwohner einen Zuschuss von über 100 Euro. Der Grundgedanke ist klar: Weniger Autos sorgen für weniger Verkehrsbelastung, weniger Straßeninstandhaltungskosten, weniger Platzverbrauch für Parkplätze und nicht zuletzt weniger Lärmbelästigung für Anwohnerinnen und Anwohner. In Linz stieg der Absatz von Jahrestickets im ersten Jahr nach Einführung der Förderung um insgesamt 50 %. Im Mai dieses Jahres fragten wir die Leondinger Bevölkerung, was sie am momentanen Öffi-System am meisten stört. Über 250 BürgerInnen antworteten, und die Antworten waren eindeutig: Das Jahresticket und dessen Kosten ist ein wichtiges Thema in Leonding.



Neben dem Jahresticket die häufigste Antwort: Der Wunsch nach einer Nachtbim. Aktuell fährt die letzte Bim Richtung Leonding knapp nach Mitternacht, danach fährt fünf Stunden lang gar nichts - und zwar egal ob Montags oder Samstags. Potenzial wäre hier zweifellos vorhanden: in Linz fährt an Wochenenden in der Nacht bereits die Nachtlinie N1 auf der Strecke der Linie 1. und zwar in der Regel bummvoll. Richtung Leonding ist trotz Erweiterung der Straßenbahn Richtung Traun aktuell nichts derartiges geplant. Natürlich kann Leonding eine Nachtbim nicht alleine einführen, aber als betroffene Gemeinde kann man das Thema mit Sicherheit forcieren.

Andere können von solchen Betriebszeiten wie aktuell bei der Straßenbahn überhaupt nur träumen: die beiden Stadtteilbuslinien 191 (Doppl, Reith, Leonding-Zentrum, Gaumberg) und 192 (Linz Hauptplatz, Zaubertal, Alharting, Leonding-Zentrum) haben beide einen, gelinde gesagt, “überschaubaren” Fahrplan. Immer wieder berichten uns Leondinger in den betroffenen Stadtteilen, dass es sehr oft quasi unmöglich ist, den Stadtteilbus sinnvoll zu nutzen: Zwar kommt man damit sehr gut überall hin, doch später nie wieder zurück. Unter der Woche fährt der letzte Bus knapp nach 18 Uhr Abends, am Samstag gar um 14 Uhr. Sonntags fahren die Linien gar nicht. Ein sinnvolles öffentliches Verkehrssystem sieht anders aus. Nicht viel besser steht es um die Linie 17 (Rufling): Der letzte Bus fährt um 21 Uhr, danach bleibt nur noch die Möglichkeit eines ausgedehnten Abendspaziergangs um zurück nach Hause zu gelangen. Kaum jemand wird eine Buslinie gerne benutzen, mit der man erst am nächsten Tag wieder zurückfahren kann.

Doch für das Problem gibt es eine einfache Lösung: Das Anruf-Sammel-Taxi, kurz AST. Einfach App am Handy installieren, automatisch über GPS orten lassen, einsteigen, zahlen, aussteigen. So einfach kann das sein - allerdings nur für Linzer. Für Leondinger ist der Ablauf (zumindest beim ersten Mal) unwesentlich komplizierter: Spätestens am Freitag planen, dass man mit einem AST heimfahren möchte. Während der Bürgerservice-Öffnungszeiten zum Leondinger Stadtplatz fahren. Eine Leocard besorgen: dafür müssen 6 Euro Einsatz hinterlegt werden und ein entsprechendes Guthaben (bis zu 300 Euro) für die nächsten paar Fahrten aufgeladen werden. Als Belohnung für die Mühe zahlt man dafür dann aber bis zu doppelt so viel wie ein Linzer.

Leonding im Jahr 2015: Bushaltestellen ohne Automat, ohne Unterstand, ohne Bank.

Apropos Mühe: Ein wenig mühsam ist es schon, im Jahr 2015 raten zu müssen, ob der Bus Verspätung hat, schon gefahren ist oder überhaupt nicht mehr kommt. Aus gutem Grund besitzen so gut wie alle Linzer Haltestellen Elektronische Fahranzeige-Systeme (EFA). In Leonding leistet man sich solchen “Luxus” eher ungern: Weder Linie 12, Linie 17 noch Linie 19 haben solche Anzeigen. Das Spartanische hat in Leonding diesbezüglich übrigens System: Haltestellen ohne Überdachung oder Regenschutz, Haltestellen ohne Fahrkartenautomat und selbst Haltestellen ohne Sitzbank prägen das Bild des Leondinger Öffi-Netzes. Wohlgemerkt bei Haltestellen der regulären Buslinien, also nicht nur bei Stadtteillinien.

Zusammenfassend lässt sich sagen: zwar wird auf der einen Seite sehr viel Geld investiert - Stadtteilbusse sind nicht billig - doch verhindert man gleichzeitig durch undurchdachte Fahrpläne, teure Tickets und umständliche Systeme eine breitere Nutzung des vorhandenen öffentlichen Verkehrs. Viele dieser Probleme lassen sich relativ leicht lösen: für eine reiche Gemeinde wie Leonding sollte zumindest die gleiche Jahresticket-Förderung wie in Linz möglich sein. Ein AST-System ohne Werkarte ist in Oftering, Kirchberg-Thening und Lichtenberg auch möglich. Ein Nachtbetrieb der Straßenbahn, der soviele gerade jüngere Bürger in Haag und Hart wichtig wäre, muss man zumindest auf Gemeindeebene ansprechen.

Und eine Sitzbank für jede Leondinger Bushaltestelle sollte zumindest bis Ende der nächsten Legislaturperiode möglich sein.



Dein Ansprechpartner zu diesem Thema:


Lukas Linemayr

Lukas Linemayr

Stadtteil  Berg
Beruf  Softwareentwickler
Telefon  0699 / 188 40 502
E-Mail  lukas.linemayr@gruene.at
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